Der Blog zur Demenz - ein Erfahrungsaustausch

Mit dem Blog wollen wir Interessenten für unser WG-Konzept eine Hilfestellung bieten, sich für oder gegen diese Wohnform zu entscheiden. Ganz nebenbei werden auch die eigenen Erlebnisse verarbeitet.

Wat soll dä Kwatsch

Da uns bei der Suche nach einer geeigneten Wohnform viel Hilfe zuteil geworden ist, teilen wir unsere Erfahrungen gerne mit anderen. Wie im wahren Leben darf auch hier gelacht und geweint werden. Wen jemand etwas beitragen möchte, freuen wir uns über eine persönliche Nachricht an unsere Email-Adresse.

Nach dem Krankenhausaufenthalt geht es meiner Mutter nicht gut. Sie kann wieder laufen aber Motorik und Wahrnehmung sind stark eingeschränkt. Das kann wieder vergehen sagen die Ärzte. Erst mal aber bedeutet es totale Abhängigkeit. Sich das Brot nicht mehr schmieren können, nicht sagen können was auf dem Brot sein soll – und wo ist der Joghurt, den sie immer gerne zum Frühstück isst. Wo ist das Obst, dass sie sich immer selbst geholt und gerne im Zimmer gegessen hat?

Die Tochter kommt rechtzeitig vor dem Frühstück. Sie stellt den Joghurt auf den Tisch und die Dose mit den Kürbiskernen. Wir finden gemeinsam einen Weg, wie meine Mutter den Joghurt alleine essen kann – die Schüssel in der linken, den Löffel in der rechten Hand. Es dauert lange aber das macht erst mal nichts. Wir sagen zum Mitarbeiter vom Pflegeteam: Schaut mal, es geht und den Joghurt isst sie so gerne, gebt ihr die Schüssel in die linke Hand.

Auf dem Tisch stehen ein Becher mit Kaffee und die obligatorische Tasse Tee. Ich beobachte meine Mutter und stelle nach einer Weile fest, dass sie den Becher mit Kaffee der rechts steht nicht nimmt, obwohl sie den Kaffee doch lieber mag. Offensichtlich nimmt sie den Becher nicht wahr und kann ihn nicht greifen oder greift daneben. Ich stelle den Kaffee nach links – jetzt wird er getrunken.

Am nächsten Morgen komme ich zur selben Zeit aber meine Mutter sitzt bereits am Frühstückstisch vor einem Marmeladenbrot „Das Brot kann sie auch allein essen“ sagt man mir. Ja stimmt, aber lieber isst sie einen Joghurt mit Körnern. Und wenn sie das Brot selber geschmiert hätte, dann wäre Käse darauf. Der Becher mit dem Kaffee steht wieder rechts – wie früher. Ich hole noch eine kleine Portion Joghurt, die meine Mutter langsam selber isst, warte eine Weile und frage ob sie noch einen Apfel möchte. Ja möchte sie.

Inzwischen ist es fast 11 Uhr und ich verstehe völlig, dass die Mitglieder des Pflegeteams das nicht leisten können, 4 weitere Bewohner haben ähnliche Probleme und die Pfeger müssen schon ans Mittagessen denken.

Ganz ehrlich - tatsächlich vergessen ich ja selber am Wochenende immer, den Senf hinzulegen den mein Mann für ein komplettes Frühstück braucht – aber er kann sich den selber aus dem Kühlschrank nehmen.

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