Der Blog zur Demenz - ein Erfahrungsaustausch

Mit dem Blog wollen wir Interessenten für unser WG-Konzept eine Hilfestellung bieten, sich für oder gegen diese Wohnform zu entscheiden. Ganz nebenbei werden auch die eigenen Erlebnisse verarbeitet.

Wat soll dä Kwatsch

Da uns bei der Suche nach einer geeigneten Wohnform viel Hilfe zuteil geworden ist, teilen wir unsere Erfahrungen gerne mit anderen. Wie im wahren Leben darf auch hier gelacht und geweint werden. Wen jemand etwas beitragen möchte, freuen wir uns über eine persönliche Nachricht an unsere Email-Adresse.

Richtig bewusst sind mir die Zeitreisen meiner Mutter selten geworden. Wahrscheinlich hat sie die vor mir verborgen, damit ich mir keine Sorgen mache. Ich dachte auch immer, meine Mutter sei in der Demenz noch nicht so weit. Deshalb hat mich das sehr plötzlich erwischt.

In der Nachbarschaft der WG wird eine Fliegerbombe gefunden. Die anderen WG-Mitglieder statten einer befreundeten WG einen „Besuch“ ab. Die Leiterin vom Pflegeteam sagt noch zu mir „Ich kann doch den Leuten nicht sagen, dass eine Bombe gefunden wurde.“ Ich denke mir nichts Böses und erzähle meiner Mutter warum sie Evakuiert werden muss. Sie nimmt das scheinbar gelassen. Da ich gerade vor Ort bin, nehme ich meine Mutter mit zu mir nachhause. Und da die ganze Angelegenheit rund um die Bombe bis in den Abend dauert schläft meiner Mutter bei mir.

Am nächsten Morgen ist meine Mutter schon munter als ich aufstehen. Sie ist sehr aufgeräumt, beteuert wie gut sie geschlafen hat. Ich mache uns beiden ein Frühstück und wir trinken gemütlich Kaffee. Plötzlich sagt meine Mutter „Aber weißt Du was, das ist sehr komisch. Hier sieht es aus wie bei Kathrin.“ Ich sage, „aber Mama, logisch das ist ja auch meine Wohnung.“ Das kümmert sie nicht sondern fragt mich, ob sie in der Wohnung Ihrer Patentante an ihrem Geburtsort wäre.

Erst einige Wochen später ist mir aufgefallen, dass sie sich wahrscheinlich in den Krieg zurück versetzt sah, weil ich ihr von der Bombe und von der Evakuierung erzählt hatte. Danach bin ich vorsichtiger geworden und habe immer überlegt, was ich ihr erzähle. Wie gut, dass es für sie - trotz allem - ein gutes Erlebnis war bei mir zu sein.

Auf der anderen Seite habe ich mich gefreut, dass sie mich auf Ihren Zeitreisen für eine ihr vertraute und durchweg mit guten Erinnerungen verbunden Person gehalten hat. Sie hat sich bei mir immer wohl gefühlt, egal wer sie dachte wer ich bin, so ist jedenfalls mein Eindruck.

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